13 & God

Own Your Ghost

Alien Transistor N 26 CD
Incl. Instant Download
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Seit die Absätze der Tonträgerhersteller schwinden, wurde das Album als Format immer wieder diskutiert. Das Downloadverhalten des durchschnittlichen Musiknutzers würde es überflüssig machen, hieß es. Es gab bereits Nachrufe auf das Album als Kunstform. Und solche Stimmen, die verkündeten, dass sie eh nur noch single tracks auf ihren iPod laden würden. Und man erinnerte uns schließlich daran, dass eine LP ursprünglich ohnehin nur der Zusammenfassung der letzten Singles eines bestimmten Künstlers diente. Ob 13&God das in ihren Köpfen hatten, als sie die Arbeit an ihrem zweiten Album „own your ghost“ aufnahmen? Man möchte es fast meinen. Denn obwohl „own your ghost“ den Hörer nicht überfährt, ist es derart abwechslungsreich, dass man zeitweilig das Gefühl hat, einer Compilation zuzuhören. Wer sich auf dieses Album einlässt, begibt sich in ein musikalisches Wechselbad mit ungewissem Ausgang. Denn hier scheint alles möglich zu sein: Todtraurige, berückende Indie-Hymnen. Gestochen scharfe, rollende Raps von Doseone, dessen leicht nasale Stimme von ferne an Tricky erinnert. Unterkühlte Grooves. Krautrock im Trackformat. Schwermut, Leichtigkeit…
Besieht man sich jedoch die Schichten, aus denen die Stücke auf „own your ghost“ gearbeitet sind, genauer, dann offenbaren sich viele Gemeinsamkeiten. 13&God verzichten auf Knalleffekte und sind eher milde im Sound. Innerhalb der Songgerüste aber herrscht musikalischer Wildwuchs. Eigenwillige Arrangements, die vordergründig klar sind und schlicht, deren Komplexität sich meist tief im Hintergrund entfaltet. Wie eine zweite Welt hinter einem Vorhang, den man bloß ein wenig zur Seite zu schieben braucht. Dieser Welt entstammen auch die Soundcollagen, Fieldrecordings und Interludes, die eigentlich gar keine sind, sondern vielmehr zu den Stücken gehören. Sie verleihen den Songs eine weitere Dimension, so als würden Stimmen aus jener anderen Welt im Hintergrund wispern. Und sie halten das Album zusammen wie eine große Klammer.
„Death Minor“ kommt daher im 70ies R&B Style, opulent arrangiert mit Streichern und Bläsern, ganz im Geist eines Bobby Womack oder der Brothers Johnson. „Oldage“ klingt leichtfüßig beschwingt, „Et tu“ krautrockig und treibend. „Janu Are“ groovt so kühl wie der gleichnamige Wintermonat. So ist es durch die Bank.
Die von Markus Acher, der Stimme von The Notwist gesungenen Stücke, sind Balsam für all diejenigen, die Trost und Vergebung in Popmusik suchen. Wir hören Songs, die Einsamkeit und Verlorenheit zum Thema zu haben scheinen, auch wenn die Texte vielleicht von etwas ganz anderem handeln. Songs, die unsere Ängste und Zweifel in klaren, schönen Harmonien zusammenfassen. Wenn aber einer der Rapper von Themselves das Mike ergreift, ändert sich alles. Dann haben wir es auf einmal nicht mehr mit Popsongs zu tun, sondern mit Hiphop. Hiphop mit einem Dreh ins Popmusikalische, der so gar nichts gemein hat mit den Mainstream-Raps unserer Tage.
Die Textinhalte und Songtitel sind allerdings ein weiterer starker Zusammenhalt des Albums. Denn auf „own your ghost“ setzen sich 13&God mit den großen Themen Älter werden, Tod und Vergänglichkeit auseinander. Mit einem Themenkomplex also, der traditionell in Popmusik wenig verloren hat. Textzeilen und Songtitel wie can't get the eat out of death, death major, old age, unyoung, to end, belong down usw. ziehen sich wie ein roter Faden durch beinahe alle Songs. Und das Frontcover zeigt ein schwerelos durch die Lüfte segelndes Skelett.
13&God gründeten sich 2004 unter abenteuerlichen Umständen aus den Bands Themselves (Adam Doseone Drucker, Jeffrey Jel Logan, Dax Pierson, Jordan Dalrymple) und The Notwist (Markus und Micha Acher, Martin Gretschmann). Der Legende zufolge wurde die Idee für das gemeinsame Projekt auf einem Highway nahe der kanadischen Grenze geboren. Dabei sollen ein brennender Laptop und ein ausgestopfter Fuchs zentrale Rollen gespielt haben.
In dieser transkontinentalen Supergroup trifft Versiertheit auf Neugier, Offenheit auf Können. Die Handschrift von The Notwist, schlechthin die Blaupause für experimentierfreudigen Indie-Pop, ist nicht zu überhören. Ebenso wenig die der Anticon Band Themselves. Dass diese so unterschiedlichen Musiker sich von ihrer eigenen Kreativität und der der anderen immer wieder überraschen lassen, kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen. „own your ghost“ lässt uns spüren, wie 13&God sich tragen lassen von einem Meer von Möglichkeiten, statt darin Schiffbruch zu erleiden.
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2LP: 13,49 € 17,99 €
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