3Shades

Thank God For Beatniks

Alien Transistor N 19 CD
Incl. Instant Download
Preise inkl. 19 % USt, exkl. Versandkosten.
Sendungen außerhalb EU sind 15,96% günstiger.
Gehen wir es sachte an. 3 Shades geistern schon seit einiger Zeit als mitunter phantomhafte Erscheinung durch die Münchner Musikszene. Rare Auftritte an bisweilen ungewöhnlichen Orten sorgten für entsprechende Mundpropaganda, aber auf einen längeren Tonträger (neben obskuren Singles und Beiträgen zu Compilations) musste dennoch bis jetzt gewartet werden. Auf dem Weg dorthin gaben sich bei den ursprünglich Three Shades of Blues benannten Combo nicht nur diverse Musiker die Klinke in die Hand. Auch der "Blues" verschwand plötzlich aus dem Namen, bildet aber als abstraktes Hintergrundrauschen immer noch einen wichtigen Bezugspunkt. Denn wenn 3 Shades eines nicht sind, dann vordergründig. Und das erklärt sich zum einen ganz einfach aus der Besetzung. Hier kann jetzt auch der Begriff "Supergroup" mittels copy & paste-Verfahren übertragen werden.
Hinter 3 Shades stecken der Delta-Blues-Gitarrensammler, Konzertveranstalter (Club2), Vintage-Fahrrad-Dealer und Küchenmeister Ivica Vucelic (guitar, pedals, voice und in dieser Funktion auch bei Dis*ka, Die Regierung und als Ligthnin' Ivi zu hören), Carl Oesterheld (organ, harmonium, glockenspiel, metallophon, percussion, der neben MS John Soda und dem Tied & Tickled Trio auch als Carlo Fashion und bei F.S.K. umtriebig ist) sowie die Brüder Markus Acher (drums, organ, percussion, voice und sonst von The Notwist, Tied & Tickled Trio, Village of Savoonga, Lali Puna, 13 & God her bekannt) und Micha Acher (bass, organ, trombone, trumpet, der ebenfalls bei The Notwist, dem Tied & Tickled Trio sowie MS John Soda mitwirkt).
Zum anderen lassen sich 3 Shades auf ihrem Debüt "Thank God For Beatniks" nicht einfach als Summe als dessen plus X entziffern. Dafür durchzieht die Platte das im Bandnamen angelegte Spektrum an Auslegungen auch zu sehr. Immer wieder blitzt das Schattenhafte auf, kommen zu scheinbar klar umrissenen Formen neue, mannigfaltige Schattierungen hinzu.
"Bombay Can" setzt mit seinen ruhigen aber bohrenden Harmonium-Klängen den süß-sauren Grundton. Mit hypnotische Kraut-Motorik fangen 3 Shades Echos aus der Vergangenheit und der Zukunft ein. "Subsequently" verführt mit Melodien, die ebenso um sich kreisen wie sich ständig durchkreuzen. Wäre da nicht die Spoken-Word-Poerty des Hiphop-Aktivisten Fat Jon, könnte man sich in diesem Track auch leicht verlieren und nie wieder zurück finden. Dort setzt dann auch "El Topo" an. Benannt nach dem gleichnamigen surrealistisch-psychedelischen "Western" des chilenischen Kult-Regisseurs Alejandro Jodorowsky aus dem Jahr 1970 transformiert sich hier ein anfangs relaxter Spaghetti-Western-Shuffle zu einer Audiohalluzination zwischen Jazz-Fata-Morgana und mexikanischen Grenzerfahrungen. Willkommen im Niemandsland! Aber zum Glück gibt es ja Wurmlöcher. Da dauert dann der Weg von der Staubwüste zum Wunderland der kleinen Alice nicht einmal eine Zigarettenlänge. Dort angekommen ist aber auch nichts mehr rosig (falls es das überhaupt einmal war). Stattdessen sieht sich Spoken-Word-Pionier Mike Ladd mit "Tiny Bits of Terrible", verbeulten Beats, komischen, flirrenden Geräuschen und Stimmen im Kopf konfrontiert. Um aus diesem Labyrinth wieder rauszukommen braucht es einen radikalen Schnitt. Wie "Thank God For Beatniks". Ein Track wie aus einem Sonntag Morgen heraus gezoomt und mit Lyrics aus der Feder von Bob Kaufman, seines Zeichens Mitbegründer des "Beatitude"-Magazines und im Frankreich der 1950er Jahre als "Amerikanischer Rimbaud" bekannter Beat- und Jazz-Poet mit deutsch-jüdischen sowie afro-amerikanischen Wurzeln. "Sometimes Up" beantwortet hingegen die Frage, ob mit abstrakten, ambiesken Strukturen vielleicht auch melancholische Liebeslieder geschrieben werden können eindeutig mit "Ja". Mit "Counting The Days" und Gast-Sängerin Jihae Simmons (The Royal We) geht es dann wieder in die bohemistische Wohnküche. Komplett mit akustischer Gitarre (und all den Geräuschen, die darauf jenseits der Saiten gemacht werden können) sowie nachmittäglichem Beatnik-Appeal (also kurz nach dem Aufstehen).
Bei all dem geht es 3 Shades jedoch vor allem um Musik als kollektives Ereignis und nicht um expressiven Individualisierungswahn im Dienste neoliberalistischer Selbstverwirklichungskonzepte. Nicht umsonst luden 3 Shades diverse Gäste ein und solieren so gut wie nie einzeln auf den sieben Tracks.
Vielleicht ist "Thank God For Beatniks" ja einfach auch Jazz als Idee einer Art von Freiheit. Nur eben anders buchstabiert und mit dementsprechend abweichenden Ergebnissen. Etwas "übersetzen" bedeutet ja auch immer Sachen weglassen, verlieren, anderes beizufügen oder das Ganze schlicht dezent entgleisen zu lassen. 3 Shades sind darin Meister.

3Shades: Thank God For Beatniks

Bombay Can 3Shades 6'03''
Subsequently 3Shades 5'52''
El Topo 3Shades 7'22''
Tiny Bits Of Terrible 3Shades 6'03''
Thank God For Beatniks 3Shades 5'28''
Sometimes Up 3Shades 5'26''
Counting The Days 3Shades 2'24''

Auch schön: