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Mit seinem Erstling „Take Off!“, erschienen im Mai 2009, überraschte das 18köpfige Andromeda Mega Express Orchestra unter der Leitung des Berliner Komponisten Daniel Glatzel mit einer irren Wildwasserfahrt quer durch sämtliche nur vorstellbaren Genres und Stilistiken. „Take Off!“ ist klug, voll von Anspielungen, Verweisen und Zitaten, und an Tempo und Witz kaum noch zu überbieten. Dachten wir.
Aber nun zünden Glatzel und sein Orchester Stufe zwei der Rakete. Und es bleibt uns der Atem weg ob des unglaublichen Tempos und musikalischen Reichtums dieser Musik. BUM BUM ist keine Sekunde berechenbar. Derart vielschichtig, vielsprachig ist diese Musik, derart kunstvoll wird hier mit Atmosphären jongliert, dass sich Superlative bei ihrer Beschreibung kaum vermeiden lassen. Und es gibt eine neue Ernsthaftigkeit, die diesen Stücken zueigen ist. Wir werten die ahnungsvoll dunkle Farbe vieler Passagen dieses Albums als weiteren Schritt in Richtung Kompromisslosigkeit. Bei allem Spaß an und in der Sache: Für leichte Unterhaltung ist das AMEO nicht zuständig.
Die rasanten musikalischen Assoziationsketten dieses außerirdischen Orchesters sind uns bereits von seinem Erstling vertraut. Sofern man sich mit so einer Funken sprühenden Assoziationsmaschine jemals vertraut machen kann. Denn das Orchester assoziiert stets schneller als seine Zuhörer. Erstaunlicherweise löst dies beim Publikum nicht etwa Hilflosigkeit aus, sondern dessen vollständige Hingabe. So wie man sich begeistert kreischend in sein Schicksal fügt, wenn die Achterbahn erst einmal losgefahren ist.
Bei einigen der Stücke läuft das so: Kaum hat uns ein Groove, eine Tonfolge, eine Harmonik gepackt, wirft eine Stimme aus einer ganz anderen Klangwelt uns wieder aus der Bahn. Zur musikhistorischen Einordnung des eben gehörten bleibt keine Zeit, denn das Orchester schraubt sich in Schwindel erregende Höhen. Lustgewinn durch Überforderung.
Glatzel und die Seinen durchwühlen mit vollen Händen die Archive. Zurückhaltung oder Kleinmut angesichts der schieren Masse bedeutender und trivialer Musik, die uns in diesen Zeiten der uneingeschränkten Verfügbarkeit von allem umspült, ist ihnen fremd. Der Komponist und Arrangeur Daniel Glatzel ist gleichsam schnell und wendig wie ein Fisch im Wasser. Für ihn ist nichts unantastbar. Informiert von aktuellen Pop-Stilen, mit dem Wissen um Fahrstuhl Muzak, barocken Tonsatz, Gamelan Musik und die Neue Wiener Schule, schickt er Orchester und Publikum auf die Reise. Dies tut er mit einer Schlitzohrigkeit, die ihres Gleichen sucht. Sogar klangästhetisch schießt er das Orchester je nach Bedarf in die 40er, 60er oder 00er Jahre. Mal klingt es nach Grammophon, dann wieder nach altem Vinyl. Auf diese Weise entstehen nicht nur ästhetische Zeitsprünge, sondern verschiedene Erzählebenen und Gedankenräume, die sich in rasantem Tempo abwechseln oder überlagern. Man könnte BUM BUM als eine Sammlung fiktiver Orchesterwerke bezeichnen. Orchestermusik, die es in „Wirklichkeit“ nicht geben kann.
Wurde „Take off!“ noch vom gesamten Orchester live eingespielt, so nutzte Glatzel für BUM BUM die technischen Möglichkeiten der Post-Production. Beinahe jedes Instrument wurde einzeln aufgenommen, jedes Stück wurde am Rechner editiert und re-arrangiert. In der Popmusik ist diese Produktionsweise normal, im Jazz und in der Neuen Klassik aber ganz und gar nicht. Ein Orchester, das sich selbst in seine Einzelteile zerlegt, neu zusammenbaut und dadurch eine neue Aussage formuliert, die Live so nicht möglich wäre, dürfte ein Novum sein. In welchem Genre auch immer.
Komplexität ist hier aber kein Selbstzweck. Kompositionen und Arrangements sind von einer Art lässiger Souveränität. Es scheint, als wären Glatzel und sein Orchester verliebt in jede nur denkbare Musikform, nicht aber in sich selbst. Neue Musik, Swing, Schönberg in seiner romantischen Phase, 50er Jahre Bigband-Jazz, Soundtracks, Radiojingles – die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Schräger Humor und heiliger Ernst sind hier nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Dies ist
postironischer Welt-Jazz. Ein musikalisches Kabinett, in dem man alles bestaunen oder auslachen kann, je nach Perspektive und Zusammenhang. Allerdings geht es hier nicht um eine Leistungsschau in Sachen Repertoirekenntnis und Zitatgewitter. Daniel Glatzel versteht es, behutsam Stimmungen aufzubauen, um sie im nächsten Moment mit musikalischen Gegenentwürfen zu konfrontieren. Solch scheinbar unvereinbare Gegenpole finden über verschlungene Umwege schließlich doch zueinander. Oder aber das Stück fällt vollkommen auseinander, zerbricht unter der Last dessen, was hier gesagt wird. Kompositorische Entwürfe unterbrechen sich, fallen sich ins Wort oder übertönen sich. So werden Soundtracks zu imaginären amerikanischen Gangsterfilmen erst von perlenden Harfen-Arpeggios, dann von polterndem Ska-Bigband-Gebläse abgelöst. Nie ist es so, wie es scheint. Wie wir glauben.

Andromeda Mega Express Orchestra: Bum Bum

lichter 1 Andromeda Mega Express Orchestra 3'35''
Sotho Hotho Ro Andromeda Mega Express Orchestra 4'33''
Le Prétre Viré Andromeda Mega Express Orchestra 7'37''
Hektra Mumma Gulla Andromeda Mega Express Orchestra 15'55''
Rainbow Warrior Andromeda Mega Express Orchestra 6'06''
Anebulamanifesto Andromeda Mega Express Orchestra 2'33''
Space Purolator Andromeda Mega Express Orchestra 17'46''
Young Magic Melt Carpark
LP: 14,99 €
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