B. Fleischmann

For M / Mikro_Kosmos - Two Concerts

Sound Of A Handshake shake 012-2CD
Incl. Instant Download
Preise inkl. 19 % USt, exkl. Versandkosten.
Sendungen außerhalb EU sind 15,96% günstiger.
Zwei Titel, mit einem Slash verbunden, weil sie für sich stehen, als Momentaufnahmen, Trackwelten: die beiden Performance-Mitschnitte, die b. fleischmann als sein neues Album veröffentlicht, bedürfen tatsächlich keiner Gesamtüberschrift. Sie greifen auch so ausgesprochen rund, organisch ineinander, hebeln sich aus, heben ab, wo der Gegenpart nach unten zieht und umgekehrt. Das erste der beiden Stücke, „For M (a tribute to mark linkous)“, wurde im Mai 2010 im Klangboden Mödling aufgenommen. Angst mag auch hier nicht als Weltanschauung durchgegangen sein, aber ein gewisses Unwohlsein drückt die Saiten in den ausgebremsten Gitarrenschleifen anfänglich doch immer wieder zu Boden – und kein Wunder, handelt es sich dabei doch um einen vertonten Nachruf auf den im Titel genannten Sparklehorse-Kopf, der sich kurz vor dieser Aufnahme den Gewehrlauf auf die Brust gesetzt hatte. fleischmann, wie gewohnt für elektronische Sounds, Gitarre und zudem Omnichord verantwortlich, fand in diesem Fall Unterstützung von Matthias Frey (Geige, Snare), Martin Siewert (Gitarre, Lap-Steel, Bass, Electronics) und Alexandr Vatagin (Bass, Electronics, Cello). Das Resultat dieses kollektiven Dreiviertelstundenangedenkens, von b. für M. sozusagen, ist ein schwermütig-schillernder Laubhaufen, immer wieder erpicht auf die Rückkehr zum Grundmotiv, zum Puls, zum Warum, zur Frage nach dem Ende, das uns alle irgendwann einholt, einholen muss. Die Lap-Steel-Fragezeichen, sie spannen sich langsam auf, über Beats, in denen es zurrt und fiepst, ruhig, wie ein langes Lamentieren, ein sich Aufbäumen, immer wieder, neue Instrumente befragen, gemeinsames Mäandern, bis alles zunehmend rauscht, wie ein Dröhnen, das einen von innen zu zerschmettern scheint, nagt, beißt, sich zeitweilig doch wieder auflöst – in Harmonie, Harmonien, Lebensantrieb, Glaube an Morgen.
Nachdem er in den vergangenen Jahren dann doch hin und wieder zum Mikrofon gegriffen hatte, bleibt der Wiener Allround-Musiker mit Soundtrackerfahrung (was man hört, ganz klar) auch auf dem zweiten Track dieser namenlosen LP still und setzt ganz auf Wortlos-Sphärisches: Die Aufnahme von „mikro_kosmos“ entstand im Juni letzten Jahres beim „festival irritationen II“ und kommt im Gegensatz zu „For M“ ohne Kursivstellung und Gastmusiker aus. Klammheimlich tasten sich die Klänge heran, wie gestreifte Halunken, zwei Töne im Dunkeln, ein dritter im Unterholz steht Schmiere, bis die elektronischen Fußfesseln doch zugreifen, ein Becken sich füllt – Waberndes, Knarzendes, Geruhsames vereint sich zu einem Ganzen, rutscht los, bergab, darüber ein langer Ton wie ein Horizont, verdunkelt.
„mikro_kosmos“ ist ein von schemenhaften Wesen bevölkertes Naturschauspiel, in der Maschine als Laterna Magica erdacht, mitsamt Sonnenaufgängen, Zeitraffersequenzen, kleinen Friedensbrüchen, Survival of the Fittest, Feuerwehrgejohle, falls es doch mal brennt im Dickicht. Im Mittelteil geht dann die schrammelnde Gitarre mit fleischmann durch, alles überschlägt sich, sucht fluchtartig das Weite, prügelt sich gegenseitig davon, dann ein Scharren und die Spielwiese kann wieder von Neuem angefüllt werden: wachsen, gedeihen, verblühen, ausklingen, gefressen werden, bis der heillose Aufbruch ins Ungewisse abermals alles aus den Angeln hebt.
Noch ein Wort zum fehlenden Titel: Er fehlt wohl deshalb, weil die Songtitel zu präzise gewählt sind. Und es wäre so oder so nur eine Wiederholung drin gewesen: „Melancholie“ hieß ein Album von
b. fleischmann bereits. Der stimmt noch immer.

B. Fleischmann: For M / Mikro_Kosmos - Two Concerts

For M – A Tribute To Mark Linkous B. Fleischmann 47'00''
Mikro_Kosmos B. Fleischmann 37'44''

Auch schön: