B. Fleischmann

I'm Not Ready For The Grave Yet

Morr Music morr 119-cd
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Die Zeit heilt zwar alle Wunden, doch sie läuft in erster Linie ab und uns davon, permanent und immerzu und am schnellsten immer dann, wenn man die flüchtigen Momente (des Glücks? der Eintracht? der Sinnhaftigkeit?) festhalten und ausbremsen will wie mit einer Flasche Sizzurp im schleichenden Cabrio. Nur sind wir natürlich nicht im hitzigen Houston unterwegs, sondern flanieren durch Wien: Auch hier, wo man eine Melange trinkt, beschäftigt sich Bernhard, nicht der Bernhard, der frostig-verstörte Untergeher, aber Bernhard Fleischmann, für uns immer noch b.fleischmann, mit Themen der Vergänglichkeit, des Dahinfliehens, des Untergangs, wenn man so will. I’m Not Ready For The Grave Yet, so der Titel seines neuen Albums, auf dem der Multiinstrumentalist erstmals auf einem Großteil der Stücke am Mikrofon zu hören ist – und zudem ganz alleine (zuvor begegnete man hier ja auch mal einem Daniel Johnston).
Das apokryphe Flirren des Daseins also, das an einem vorbeirauscht und immer weniger Zeit zum Durchatmen und In-Angriff-Nehmen lässt – „yesterday we thought/tomorrow we would/today we say/tomorrow we should“ –, so eine Zeile des fast schon kopfnickerischen „Tomorrow“, das über das Vertagen, wohl auch über das Verjähren des Vertagens und die Fadenscheinigkeit jeder Planung verweist (und Generation Prokrastination sicher aus der Seele spricht), nimmt hier den Platz der Melancholie ein, die zuletzt wieder auf seinem Performance-Album For M/mikro_kosmos aufflackerte. Stattdessen also die ehrliche Bestandaufnahme eines gestandenen Mannes, der nach vorne blickt, um den suizidalen Freiheitsdrang der „Lemminge“ in wilde, für uns Menschen gleichwohl verständlichere Instrumentalwelten zu übersetzen, Experimente mit Schwarzpulver zu beschreiben, einfach mal den Stöpsel im Fluss der Dinge zu ziehen: „Who emptied the river?“, lautet die zwischen treibenden Beats und Tetris-Gitarrenbausteinen platzierte Frage, gefolgt von drei Worten, die immer wieder zu hören sind auf dieser Platte: „Don’t follow me.“ Tja: Wir müssen es ja doch. Bis ins Grab.
Wir folgen also trotzdem, und zwar einem Musiker, der uns mit jedem Stück in neue Regionen führt: Die immer wieder auftauchenden Sprachsamples, entliehen von alten Englischkurs-LPs, halten Call & Response-Rücksprache im Endlos-Loop. Doch so angespannt die Muskeln im Augenwinkelbereich diese Worte zur prekären Lage der Nationen wirken lassen, so beruhigend die Einsicht, dass man sich ja damit quasi auf die Seite von Bono, Sting & Co. geschlagen hat – was natürlich auch nicht geht (darum endet die Platte wohl auch hier).
Während der Wiener insgesamt etwas mehr auf Rhythmuswelten und Vorwärtsdrang („Auf ins Grab!“) setzt, der Vibe etwas ungeschliffener & rougher ist auf dieser LP, gibt es da auch einen ruhigeren Track wie „At Night The Fox Comes“ – was für Balance zwischen Soundexperiment und Songstrukturreform sorgt, zwischen impulsiver Rückschau und solidem Songwriting als Basis für Bedeutsames.
Abtreten müssen wir alle, das wusste schon Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676): „Ein jeder Tag bricht dir was ab/Von deiner Schönheit bis ins Grab.“ Nur klingen diese Songs deswegen nicht weniger schön mit der Zeit. Sie halten Stand gegen das Unvermeidbare, warnen („Don’t follow me.“) und verkünden zugleich: „Today we say/tomorrow we could/(meet for dinner).“ Und gelacht wird dann ja doch.

B. Fleischmann: I'm Not Ready For The Grave Yet

Don't Follow B. Fleischmann 4'16''
Tomorrow B. Fleischmann 4'32''
Beat Us B. Fleischmann 3'48''
Lemminge B. Fleischmann 5'10''
Who Emptied The River B. Fleischmann 5'00''
I Am Not Ready For The Grave Yet B. Fleischmann 4'59''
This Bar B. Fleischmann 3'15''
Some/Others/My Husband B. Fleischmann 5'04''
At Night The Fox Comes B. Fleischmann 4'31''
Your Bible Is Printed On Dollars B. Fleischmann 4'02''
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