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In der Popmusik gab es einst ein Genre, das eigentlich keins war. Seine Blütezeit erlebte es in den späten Neunziger und frühen Nuller Jahren. Die Rede ist von "Elektronika". Diese Musikrichtung war ebenso wenig eine Musikrichtung wie "Indie" oder eben "Pop". Den Begriff "Elektronika" benutzte man bloß in Abgrenzung von Clubmusik, Ambient oder Noise. Gemeint war eine kleinteilige und meist freundliche Zuhör-Musik, zu der sich nicht gut tanzen ließ. So kam es, dass die unterschiedlichsten Musiken diesem Un-Genre zugeordnet wurden, einfach weil gerade keine passenden Ordner zur Hand waren. Und nun liefert Oliver Doerell ein Album ab, das klingt wie ein spätes Elektronika-Manifest.

Als CUMMI FLU betreibt Doerell vor allem Klanggestaltung. Kein Sound auf Z geschieht nebenbei. Jedes Klangereignis wurde hingebungsvoll gedrechselt und zeugt so von der Detailverliebtheit seines Machers. Das Fiepsen eines Computers, das Geräusch einer sich schließenden Tür, ein langsamer Träller auf dem Cello – hier ist alles gleich wichtig und steht demokratisch nebeneinander. Jeder Track speist sich aus den unterschiedlichsten Geräuschquellen. Und bei aller Ereignisdichte herrscht große Transparenz. Denn jedes Stück von CUMMI FLU entwickelt sich in gemessenen, nachvollziehbaren Schritten zu einem dichten, gleichwohl übersichtlichen Klangpuzzle. Einem Puzzle, dessen Teile sich nicht immer nahtlos aneinander fügen. Manche stehen quasi an den Rändern etwas über, so dass sich ein irgendwie unebener Gesamteindruck ergibt. Und genau diese Doerellsche Unschärfe oder Mehrdeutigkeit ist es, die seine Musik so besonders macht.

Oliver Doerell kombiniert mit Vorliebe solche Sounds, die nicht auf Anhieb zueinander passen. Da raschelt und quietscht es in gegenläufigen Geräuschschleifen. Eine Frauenstimme singt ein meditatives Mantra in einer nicht identifizierbaren Sprache. Dazu erklingt Perkussion, die offenbar auf allerei Küchenutensilien gespielt wurde. Und schließlich schält sich ein Groove aus den dicht verwobenen Klangschichten. Afrobeats werden angedeutet. Es bounct und federt es in allen erdenklichen Höhen und Tiefen. Oliver Doerell spielt sein liebstes Perkussioninstrument: Gummibänder. Kein Drumcomputer der Welt bietet ein derart variables Klangspektrum.

Auf Z zieht Doerell sämtliche möglichen und unmöglichen Klangregister: Von Feldaufnahmen aller Art inklusive Kinderstimmen und Straßengeräuschen, über Kalimba-Pattern hin zu undefinierbaren Melodiefetzen. All die spleenigen Sounds, und seien sie noch so abwegig, ergeben in ihrer Summe stets so etwas wie Songs. Mal verträumt und verwaschen, mal konkret und treibend entsteht so besondere Musik in Loopästhetik. Intim, versponnen und zeitlos.

Der gebürtige Brüsseler und Multiinstrumentalist Oliver Doerell lebt seit 1990 in Berlin. Doerell ist Mitglied der Bands Dictaphone, SWOD und Raz Ohara & the odd orchestra, mit denen er bisher insgesamt acht Alben veröffentlich hat. Er hat weltweit Konzerte gespielt, u.a. auf Festivals wie CTM, Unsound (PL), Mutek (CA) und Benicassim (ES).

additional vocals : Lady Ived
mastering : Nils Frahm
cover art : Fehmi Baumbach

Cummi Flu: Z

In Cummi Flu 20''
Z. Cummi Flu 6'02''
Sherée Cummi Flu 4'52''
J. Cummi Flu 5'15''
7 Cummi Flu 5'13''
Gulabigang Cummi Flu 2'46''
B. Cummi Flu 5'02''
Leopold Cummi Flu 5'44''
154 Cummi Flu 2'59''
Watersong Cummi Flu 2'56''
Audrey Cummi Flu 2'13''

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