F.S. Blumm

Welcome

Karaoke Kalk Kalk 102 CD
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Vergleiche zwischen Musikern und bildenden Künstlern hinken meist. Aber biographische Parallelen sind keine Seltenheit. So wie manche Bilder bestimmten Schaffensphasen ihrer Schöpfer zuzuordnen sind, so gibt es Musiker, die auf verschiedene kreative Phasen zurück blicken. F.S.Blumm ist so ein Musiker.

Ende der 90er Jahre raunte man von der Berliner Wohnzimmerszene, von magischen Konzerten auf improvisierten Bühnen temporärer Spielorte. Damals ging es um Musik ohne dicke Beats und Bässe. Um Gegenentwürfe zu Rockstars und ihren Posen und Egos. Musik machte man mit akustischen Instrumenten und Küchengeräten. Bei Konzerten wurde konzentriert und versunken zugehört. Einer der Protagonisten dieser Szene war F.S.Blumm. Unter anderem seine Liebe zu untemperierten, häufig selbst gebauten Instrumenten prädestinierte ihn dafür. Anfang der Nuller Jahre wurde praktisch jede Musik, in der akustische Instrumente vorkamen, als „Free Folk“ oder „Alternative Folk“ abgestempelt. Von dieser vermeintlichen Bewegung ließ Blumm sich nicht vereinnahmen, stattdessen hielt er sich souverän zurück, von wenigen ironischen Kommentaren in Interviews abgesehen. In diese Zeit fällt die Veröffentlichung seines Albums „Mondkuchen“ auf Morr Music. Die quirlige, wimmelnde Kleinteiligkeit der Wohnzimmerzeit wich heiligem Ernst und strenger Reduktion.

F.S.Blumm hat viele Gesichter. Sich durch seine gewaltige Diskographie zu arbeiten, wäre ein Forschungsauftrag für sich. Er unterhält Kollaborationen mit David Grubbs, Andi Otto, Harald Sack Ziegler oder Nils Frahm. Seine Schwäche für Dub Reggae lebt er aus mit dem Quasi Dub Development; mit der Band KINN spielte er dynamischen Postrock. Blumm hat ein Faible für ungerade Taktarten und hat das Pattern-Matching der Minimal Music für sich durchdekliniert. Worin seine persönliche musikalische Handschrift eigentlich besteht, bleibt rätselhaft. Und trotzdem genügen wenige Takte, um sie zu erkennen. Das mag an seiner Vorliebe für offene Harmonien liegen oder an seinen pointierten Arrangements.

Nun läutet F.S.Blumm eine Phase seines Schaffens ein, die man als Neue Lässigkeit bezeichnen könnte. Obwohl die allerersten Takte seines neuen Albums klingen wie ein Echo der tiefen Ernsthaftigkeit seiner Studio-Alben mit Nils Frahm. Da sind wenige Gitarrenakkorde, die Andeutung eines Xylophons im Hintergrund und sonst nichts als die weiten Räume dazwischen. Feine, wie zufällig wirkende Nebengeräusche erinnern von Ferne an die Ära seiner experimentellen Instrumentalkonzerte mit klassischer Gitarre. Dann setzt die Stimme ein und alles verändert sich. Weit zurück gelehnt singt F.S. Blumm in einer Mischung aus Eindringlichkeit und Entspanntheit. Seine Stimme klingt, als würde er direkt neben dem Hörer stehen und ihm ins Ohr singen. Gleichzeitig ist sie unaufdringlich. Das Stück klingt anrührend und intim. Es ist die Rede vom „Handle Bar“, dem Eröffnungstitel seines neuen Albums „Welcome“.

Wenn ein so erfahrener und vielseitiger Künstler sein neues Album betitelt, als wäre es ein Debut, dann sagt das etwas aus. Vor Jahren schon betätigte sich der Komponist und Instrumentalmusiker F.S.Blumm als Songwriter. Er schrieb die Songs für drei Duos, die er mit unterschiedlichen Sängerinnen betrieb: Bobby And Blumm mit Bobby Baby, Old Splendifolia mit Jana Plewa und schließlich Jonsson Gille & Blumm. Nun singt er seine eigenen Stücke selbst. Zum ersten mal, seit er Musik macht. Für ihn ist das wie eine Reise zurück zum Ursprung, zurück ins Jugendzimmer mit Liederbuch und erster E-Gitarre. Mit „Sounds of Silence“ und „Sister Ray“ tagein tagaus.

Mit jedem Song auf „Welcome“ öffnen sich Türen in andere Assoziationsräume. Der zweite Titel „New Day“ holt aus zu großer Geste mit schwer verhalltem Schlagzeug und hymnischen Harmonien. Aber selbst die große Geste klingt bei F.S.Blumm geerdet. Statt sich breit zu machen, geht er lieber in die Tiefe. Da ist das entspannte und erotisch umknisterte „Going Away“, das versöhnliche „Initial Spark“, das lässige „Overweight“. Stets bewegt sich Blumm im Spannungsfeld zwischen Großartigkeit und Bescheidenheit, zwischen ausgefeilten Harmonien und Aufnahmen, die nach dem extrem verdichteten Sound eines Kassettenrekorders klingen. Diese Klangästhetik prägt das gesamte Album.

Mit „Welcome“ perfektioniert F.S.Blumm das nicht Perfekte. Wo andere Produzenten Rauschen, Knacken und Knistern herausfiltern, tut Blumm das Gegenteil. Er veredelt die Patina, er vertauscht die Rollen von erwünschtem und unerwünschtem Klang. Übrig bleiben Songs wie Skulpturen aus akustischen Gebrauchsspuren.

F.S. Blumm: Welcome

Handle Bar F. S. Blumm 3'09''
New Day F. S. Blumm 2'54''
Hedgehog F. S. Blumm 2'51''
Beauty's My Summary F. S. Blumm 3'41''
Going Away F. S. Blumm 2'31''
Secret Stash F. S. Blumm 3'28''
Initial Spark F. S. Blumm 4'02''
Everything Burns F. S. Blumm 2'32''
Don't Understand F. S. Blumm 3'07''
From Sentiments To Sediments F. S. Blumm 3'27''
Overweight F. S. Blumm 3'39''
Your Egos F. S. Blumm 2'51''
Beside F. S. Blumm 2'55''

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