Farben & James DIN A4

Farben presents James DIN A4

Faitiche fait-12CD
  • CD : Mini Gatefold-Style Sleeve + folded DinA4 Color Poster
Incl. Instant Download
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Faitiche ist hocherfreut, ein neues Album (faitiche12) und zugleich einen altbekannten Namen präsentieren zu dürfen: Farben presents James DIN A4.
In den Sommermonaten 2013 remixte sich Farben (Jan Jelinek) durch das umfangreichen Werk des Sample- und Collagenkünstler James DIN A4 (Dennis Busch) - und versammelt hier nun zehn seiner Lieblingstitel.

Erfahren Sie mehr im folgenden Interview.

Jan Jelinek: Lieber Dennis, Du bist Musiker und Künstler, machst Audio- und Bildcollagen und entwirfst auch Mode. Könnte man sagen, dass alle Deine Aktivitäten das Prinzip der Collage vereint?

Dennis Busch: Ja, das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Output. Ich schüttel das Kaleidoskop und weiß nicht, was dabei herauskommt. Wenn es mir nicht gefällt, schüttel ich weiter - bis etwas sinnig Unsinniges erscheint. Mir ist es wichtig, das Moment „Wandlung“ zu extrahieren. Die Intuition des Werdens und das Kristalline im Sein, das Schöne im Biest, mit dem Kopf in den Wolken, in den Händen die Pyramiden von Gizeh – das zusammenzufügen und zu kitten, das ist es, wonach ich suche.

JJ: Bleiben wir erst mal bei Deiner Musik: Deine Tracks mäandern ja auch von Position zu Position, wirken unkonzentriert – im positiven Sinne. Interessant ist, dass es bei nahezu allen Stücken dann doch eine Konstante gibt: Der gerade Beat. Ist das vergleichbar mit dem weißen DIN A4 Blatt, auf dem dann die Collagenschnipsel verteilt werden?

DB: Der Viervierteltakt ist eine Art diametraler Kloppstock. Er schafft Struktur und ist Herbergsvater, um die pubertierenden Samples in die Schranken zu weisen. Das ist wichtig, um den verspielten, hummelhaften und unkrautigen Charakter der Samples ein passendes Kleidchen zu zaubern. Tatsächlich darf sich ein Track auch mal leicht unkonzentriert präsentieren, allerdings nur unter Aufbringung vollster Konzentration und Hingabe. Ein Track, der als Badehosenverkäufer am Nordpol beginnt, darf auch mal als Totengräber am Ende eines explodierenden Regenbogens ausklingen.

JJ: Dazu passt, dass Deine Veröffentlichungen auf Deinem Label ESEL unter einer Vielzahl von Pseudonymen erschienen sind: James DIN A4, Pastor Fitzner, Joyride, Krieghelm Hundewasser, Lassie & Chris und Pop Dylan. Wie läuft das mit den Identitäten: Erschaffst Du zuerst den Künstlernamen und anschließend die dazu passende Musik?

DB: Da gibt es schon einen typischen James DIN A4 Kosmos. Wer mit meinen Produktionen vertraut ist, kommt den einzelnen Pseudonymen schnell auf die Schliche. Das Pseudonym ist im Vorfeld angedacht. Nicht im Sinne einer Neuerfindung, vielleicht eher im Sinne einer konsequenten Weiterentwicklung. Es gab mal eine Zeit, in der ich circa alle vier Monate ein neues Album fertig hatte – da war es dann auch zwingend, nicht alle als James DIN A4 herauszubringen.

Mir geht es vor allem darum, einen eigenen Kosmos zu erschaffen, eine Meta-Örtlichkeit, einen signifikanten Outer Space, frei von jeglicher Kartografie. Denn ich lebe mit meiner Familie auf dem Land in der Nähe von wo auch immer, quasi in den Suburbs of Nowhere. Einen Toast auf das Leben hinter dem Mond!

JJ: Du hast auch einen schönen Bildband zusammengestellt, „The Age of Collage – Contemporary Collage in Modern Art“ (Die Gestalten Verlag). Die Collagenkünstler, die Du hier versammelst, arbeiten alle ausschließlich mit Material – Papier, Fotos, Zeitschrift. Warum keine rein digitalen Arbeiten?

DB: Ich habe nicht gegen die Digitalisierung von Visionen, beschränke den Fokus in The Age of Collage allerdings auf manuell erzeugte Collagen. Es gibt einen Handmade-Hype. Das entspricht dem Verständnis, sich selbst ohne Hilfe eines elektronischen Tools als körpereigenes Instrument positionieren zu wollen. Es geht um das „Sehen“ und „Fühlen“ von scheinbaren Zusammenhängen, das Verknüpfen von Paradoxien, im Sinne eines surrealen „Sich-Findens“ im grenzenlos bespielbaren Kosmos, wo der Künstler, ausgestattet mit Schere, Skalpell und Klebe, zum körpereigenen Astronauten mutiert und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinter sich lässt, um ein Schlupfloch durch Raum und Zeit zu erzwingen.

JJ: Womit wir zu Deinen eigenen Bildcollagen kommen. Kannst Du etwas zu Deiner Arbeitsweise sagen?

DB: Ich gehe bei meiner Collagenarbeit erst mal von einer Intention aus – einem Gefühl, das mich überkommt. Da mache ich mir nicht so viele Gedanken, sondern lasse mich sanft von den Bildern überrumpeln. Ähnlich einer mathematischen Gleichung versuche ich die verschiedenen Positionen der einzelnen Fragmente neu zu bespielen und sie schlussendlich einer neuen Ordnung zu unterstellen. Ich will mit dem Bewusstsein der Verantwortungslosigkeit arbeiten, etwas loslassen, was nicht losgelassen werden kann, und etwas festhalten, was zerrinnt wie Treibsand in der flüchtigen Hand der Zeit.

Berlin / Ottersberg 2013

Farben & James DIN A4: Farben presents James DIN A4

Kader Dolls Farben & James DIN A4 3'36''
Heimkehr Der Vulgaren Farben & James DIN A4 6'34''
Powerbaum Farben & James DIN A4 1'43''
Lucifer Rising Farben & James DIN A4 6'50''
Rettung Farben & James DIN A4 48''
Please Excuse My Face Farben & James DIN A4 5'24''
Krieghelm Hundewasser Farben & James DIN A4 4'26''
Das Chinesenschwert Farben & James DIN A4 4'56''
Fahles Graz Farben & James DIN A4 18''
Helfen Im Sitzen Farben & James DIN A4 3'58''