Guido Möbius

Batagur Baska

Shitkatapult strike_159 cd
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Am Anfang ist Rauschen. Kein flächiges, durchgehendes Rauschen, sondern ein rhythmisch zerhacktes. Es klingt, als würde ein Gerät zur Erzeugung von Rauschen in einem gleich bleibenden Takt an- und wieder ausgeschaltet. Ein maschinenhafter Puls, der sein Metrum stoisch beibehält, auch wenn keins der nach und nach einsetzenden Instrumente seinem Rhythmus folgt. Die aus vier Tönen bestehende Basslinie mit ihren langen Pausen ebenso wenig wie die hypnotische Tom-Figur am Schlagzeug. Das Rauschen führt ein Eigenleben. Seine Stakkatos schwellen an zu metallisch klingenden Harmonien, die im Raum umher wandern, aber nie von ihrem Tempo abweichen. Darüber schwebt die Stimme des kambodschanischen Sängers Prak Chum. In ihrer Beweglichkeit und mit ihren zahllosen kleinen Modulationen wirkt sie fremdartig und vertraut, geerdet und entrückt zugleich. Die Rede ist von BATAGUR BASKA, dem ersten Stück auf dem gleichnamigen Album von Guido Möbius.

Auf diesem Album passt eigentlich nichts zusammen. Wir hören federnde Pattern, gespielt auf analogen Synthesizern, dann wieder eine Blockflöte. Polternde, schleifende Industriehallen-Perkussion entwickelt sich über Rückwärtsgesang hin zu so etwas wie Acid-Krautrock. Das Stück CALL THE POLICE NOW mit seinen Shakern und weichen Gesangslinien hat wiederum Bossa-Charakter. Konterkariert wird sein warmes Klangbild von einer überdrehten Frauenstimme, die sich zornig die Seele aus dem Leib schreit. Es ist verwirrend, wie dieser Kontrast etwas Eigenes und Neues entstehen lässt. Da ist das geisterhafte HOW TO NEVER WAKE UP, mit einem von Jana Plewa gesungenen Mantra und enervierendem Knirschen und Quietschen. Hier scheinen die Geräusche Stimme und Text zu kommentieren, Widerspruch einzulegen. Wie es bei Möbius ohnehin um das Wechselspiel zwischen Reibung und Harmonie, Ton und Geräusch geht. Um den ständigen Ausgleich zwischen Wohlklang und Krach, der seine Musik in der Schwebe hält. Der Weg vom angenehmen Klangbad zu beklemmenden Störgeräuschen ist bei ihm kurz. Schräger Humor und heiliger Ernst sind Nachbarn, ebenso wie Souveränität, Irritation und Kontrollverlust. Das nervöse MOLOCH mit seinem Gewimmel an ratternden Soundschnipseln hält permanent die Spannung, so dass es nicht als abgeschlossenes Stück, sondern als Momentaufnahme eines Prozesses erscheint. Eine Vorhersage darüber, was wohl als nächstes passieren wird, ist hier unmöglich. Wie eigentlich bei aller Musik von Guido Möbius.

Häufig wechseln die Stücke des Berliners mit den rheinischen Wurzeln subtil die Stimmung, kippen etwa vom Freundlich Milden ins Düster Morbide. Oder umgekehrt. Alles ist hier organisch verwoben, versetzt geschichtet oder gegeneinander gestellt. Dem Geräuschesammler Möbius macht es Spaß, sich in seinen Stücken zu verlieren und gelegentlich falsche Fährten zu legen. Auf seinem Erstling "klisten" überraschte er mit komplexer und gleichermaßen milder Instrumentalmusik. Auch für das folgende Album "dishoek" benutzte Möbius überwiegend warme, akustische Klangfarben. Funktionieren "klisten" und "dishoek" unter weitgehendem Verzicht auf Beats und Bässe, so macht Möbius auf dem 2009 erschienen "Gebirge" weidlich Gebrauch davon. Wie auch auf seinem vierten Studioalbum "Spirituals" hören wir allerlei Maschinenlärm als Snaredrum-Ersatz, Metallscheppern, Funk-Gitarren und Borderline-Bläser.

Guido Möbius arbeitet als PR-Agent und betreibt den Musikverlag autopilot publishing. Zu seinen PR-Kunden gehören Plattenfirmen und Veranstalter wie Shitkatapult, Alien Transistor, Deutsche Grammophon, Haus der Kulturen der Welt oder CTM Festival. Als Musikverleger kümmert er sich um die Rechte von Künstlern wie FS Blumm, dem Trabant Echo Orchestra, Nicholas Bussmann oder zeitkratzer.

Guido Möbius: Batagur Baska

Batagur Baska Guido Möbius 7'09''
Nach Draussen Guido Möbius 3'12''
Windsurfing Chile Guido Möbius 3'06''
-ing Guido Möbius 4'13''
Rowno Malin Ternopol Guido Möbius 6'24''
How To Never Wake Up Guido Möbius 1'39''
Moloch Guido Möbius 6'07''
Call The Police Now Guido Möbius 3'29''

Auch schön: