Hauschka

The Prepared Piano

Karaoke Kalk kalk cd-31
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So wie ein Kind? Da trifft am Ende einer handwerklichen Meisterleistung, Flügelmechanik genannt, ein Hämmerchen auf eine gespannte Saite. In fachmännischer Präzision wurde sie in Länge, Umfang und Spannung genau daraufhin ausgelegt, in einer ganz bestimmten Tonhöhe zu erklingen. Der wohlkonstruierte Körper des Flügels resoniert die Schwingung: unverfärbter Klang ertönt. Er ist das Ergebnis einer langen Tradition im Instrumentenbau, Generationen forschten und arbeiteten daran, ihn zu vervollkommnen.
Man könnte befinden, alles sei erreicht, ein perfektes Instrument, welches nur auf seinen begabten Virtuosen wartet. Oder man ändert einfach die Regeln des Spiels, das ist es, was den technisch wahrlich nicht unversierten Hauschka interessiert. Blickt er auf seiner Spur zurück, entdeckt er Henry Cowell, der Zeitgenosse Bartoks, welcher an den Saiten des Pianos zupft als sei es eine Zither. Der Kalifornier Cowell beeinflusst mit seinen Experimenten John Cage, der ab 1938 die Regeln von Pianoklang und -Spiel neu definiert. Er klemmt Schrauben, mal mit zusätzlich schwingenden Muttern versehen, mal ohne, zwischen die Saiten, kleine Plastikstücke oder Radiergummis erfüllen die selbe Funktion, erzeugen weitere neue Klänge. Daneben platziert er Gegenstände auf den Saiten: Teller, Zeitungen, Metallstücke, sie alle verleihen dem Klang neue perkussive Elemente. Was seit der Erfindung des Hammerpianos oft als Problem galt, nämlich, dass man es eigentlich mit einem Perkussionsinstrument zu tun hat, wird von Cage umdefiniert. Mit spielerischer Eleganz umgeht er die Fragestellung und enthält neue Antworten in Form von Sounds die sehr an ein indonesisches Gamelanorchester erinnern. Das Rascheln, Trommeln und harmonisches Mitklingen der unterschiedlichsten Dinge inspirierte in der Folge eine ganze Reihe Komponisten, darunter Arvo Pärt, Steffen Schleiermacher, Frangis Ali-Sade, Edison Denissow oder Philip Corner, der die Fluxus Obsession für das große Tasteninstrument mitbegründet.
Aber es wäre ein Leichtes, das Spielerische im Ernsten, ja bald wieder Akademischen zu verorten. Was Fluxus stetig zu unterminieren versuchte, gelang anderen dann mit einer ganz anderen Verve: Fritz Schulz-Reichel wird in den 50ern als "Schräger Otto" mit einem Piano, aus dem er eine "Beschwipste Drahtkommode" machte, zum Star. Seine modifizierten Ragtimesounds bescheren ihm auch in den USA als "Crazy Otto" Erfolg, so dass sein Name selbst ein einem Stück der Grateful Dead auftaucht. Präparierte Pianohämmer oder Saiten finden sich als Effekt seither immer wieder in der Popmusik. Anfang der 80er spielen US-Hipster wie The Flying Lizzards und The Waitresses mit dem verzerrten metallischen Sound und wissen nur zu gut um seine Avantgardereferenzen. Ein letztes Mal erinnert hier das präparierte Piano an seine Eigenschaften als mechanischer Synthesizer, die das Easy Listening Duo Ferrante & Teicher zum Beginn seiner Karriere in alle Bereiche auslotete. Am Ende musste ihre Plattenfirma in einem Pressestatement klarstellen, dass sie tatsächlich nur zwei Pianos einsetzten, um ihre Soundwelten zu schaffen.
Volker Bertelmann alias Hauschka begnügt sich mit einem Piano und doch scheint es auch bei ihm, als würde ein seltsames Orchester spielen. Ab und an lässt er andere Klänge zu, der Synthesizer kommt zum Einsatz, wie bereits auf seinem Debütalbum, dazu ein Drumcomputer und einmal ein elektrischer Bass. Doch deren Töne lassen sich deutlich von denen des präparierten Klangkörpers unterscheiden. Kleine rhythmische Vignetten oder stille Balladen die ihren Bezug allesamt in der ostasiatischen Harmonieästhetik, wie der Minimal-Musik zu haben scheinen, tanzen aus den Lautsprechern. Sounds, an denen man sich nicht satthören kann verleihen jedem Stück etwas unfassbares. Was ist es, das da ertönt? - Ideen, die um Satie und Ravel kreisen könnten, aber eigentlich nur Qualitäten des variierten Klanges nutzen. Hauschka, findet in den Techniken die Möglichkeiten. Dafür klemmt er Stimmkeile aus Leder, Filz und Gummi zwischen die Saiten, benutzt Aluminiumpapier oder spröde Plastikfolie an den Hämmern, er legt Kronkorken auf die Saiten, flechtet Gitarrensaiten ein oder klebt sie mit Isolierband ab. Seine Resultate sind so ungewöhnlich wie einfach bezaubernd komponiert. Eigensinnige Stücke mit Eigenleben aus spielerischem Forscherdrang. Das Kind im Musiker? - Sicher - im Lichte des Akademikers.
Oliver Tepel

Hauschka: The Prepared Piano

La Seine Hauschka 4'02''
Traffic Hauschka 4'11''
Fernpunkt Hauschka 3'03''
Where Were You Hauschka 4'45''
Ginko Tree Hauschka 3'26''
Firn Hauschka 3'21''
Twins Hauschka 4'44''
Two Stones Hauschka 2'47''
Kein Wort Hauschka 3'04''
Long Walk Hauschka 4'35''
Kreuzung Hauschka 3'59''
Morning Hauschka 2'22''
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