Óbó

Innhverfi

Morr Music morr 133-cd
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Es brodelt und rumort unter der ach so perfekt glänzenden Oberfläche, irgendetwas stimmt einfach nicht mit diesem Ort: Hinter den ordentlich aufgereihten Zaunpfählen, den freundlich lächelnden Zahnreihen der Nachbarn lauert ein Gefühl der Vereinsamung, eine innere Leere, etwas Klaustrophobisches, diese unbestimmte Angst, am falschen Ort zu sein, zu weit entfernt von dort, wo sich das eigentliche Leben abspielt. Fest steht: Der Himmel hat sich verdunkelt, ein düsterer Schatten hat sich ausgebreitet über den verlassenen Schluchten der Vorstadt. Willkommen in der ungeschönten Welt von Innhverfi.

Auf einem Wortspiel aus den isländischen Begriffen für "Vorstadt" und "introvertiert" basierend, ist Innhverfi das Solodebüt von Óbó, dem Tour-Keyboarder und -Percussion-Spieler von Sigur Rós und Jónsi, bürgerlich Ólafur Björn Ólafsson. Und obwohl dieses Album aus gerade mal sieben Tracks besteht und keine halbe Stunde lang ist, stellt es die Vorstadtidylle grundlegend auf den Kopf: Nach dem minimalistischen Eröffnungsstück "Úthverfi", einem Track, der nach einem finster-grüblerischen Intro schließlich doch noch aufbricht und mit Glockenspiel und ineinander verwobenen klanglichen Lavaströmen sogar Licht am Horizont erscheinen lässt, ist "Svartur galdur" ähnlich episch und großformatig angelegt, wobei hier sogar noch mehr Platz bleibt für Óbós markante Baritonstimme: Wie ein verdeckt operierender, wuschelhaariger Puppenspieler lässt er Homestudio-Passagen und DIY-Versatzstücke mit Schlafliedeinschlag vor unseren Augen auf immer neue Art und Weise auf und ab tanzen, und wir starren wie gebannt hin, werden unweigerlich immer tiefer reingesogen in den abgründigen Vorstadtsumpf, von dem diese Platte handelt. Man erkennt düstere, nasskalte Straßenzüge, wolkenverdunkelte Gassen, und plötzlich eine Katze oder Kerze im Augenwinkel, die auf dem Fenstersims ruhig vor sich hin atmet.

"Gjallarhornin" – ein Sturm in Zeitlupe, die Zutaten: Spoken-Word-Passagen, Klavier, Streicher, Vibraphon – lässt, wenn auch spät, mit seinem doch noch einsetzenden, verschleppten Beat und Melodien aus der Stummfilmzeit kurz hoffen, während "Stilla", ein Instrumentalstück, wie frühe Efterklang-Aufnahmen anhebt, nur erwartet einen danach nichts Pompöses: Wenn sich die subtil ineinander verflochtenen Elektronik- und Percussion-Parts am Schluss entladen, fühlt sich alles gut und richtig an – wenn auch nur für diesen einen flüchtigen Moment. Das von Vogelgesängen und Jazzklavier durchzogene "Fyrirboði" unterstreicht noch einmal die Tatsache, dass Ólafsson auch schon an einigen Filmsoundtracks mitgearbeitet hat – bei The Good Heart und Steypa zum Beispiel –, und bevor die Show vorbei ist, lässt er sogar noch eine Art Alt-Popsong vom Stapel ("Rétt eða rangt"), zu dem manch einer sicher die Stiefelspitzen wippen und in die Ecke spucken wird. Die letzte Station auf dem Weg zur dunklen Seite des Vorstadtdaseins heißt "Gullregn": Eine knarzende Tür, die sich auftut und seinen ganz eigenen Garten mit Pfaden, die sich verzweigen, erahnen lässt – einen Ort, an dem noch nichts entschieden ist, wo noch was passieren, man über den Zaun springen und einfach abhauen kann, bevor es zu spät ist. Alles klingt nach Möglichkeiten, nach purer Option, getaucht in ein goldenes Licht.

Obwohl Innhverfi sein erstes Soloalbum ist, hat Óbó der isländischen Musiklandschaft in den letzten Jahren immer wieder seinen Stempel aufgedrückt: Als Multiinstrumentalist und Percussion-Spieler, der in verschiedenen europäischen Städten Klavier und schließlich Komposition studiert hat, war er unter anderem bereits mit Sigur Rós, Jónsi, Emiliana Torrini, Stórsveit Nix Noltes, slowblow, Benni Hemm Hemm, múm, Jóhann Jóhannsson, Úlfur Hansson und Valgeir Sigurðsson auf Tour bzw. im Studio, um nur einige Namen zu nennen.

Und obwohl ein Großteil seiner Zuhörer die isländischen Texte dieser Songs nicht verstehen wird, erkennt man sofort: Letzten Endes ist Innhverfi genau das Gegengift, dasjenige Mittel, das die hier umrissenen Leiden und Probleme womöglich lindern kann. So gesehen waren wir also doch die ganze Zeit am richtigen Ort.

Óbó: Innhverfi

Úthverfi Óbó 5'58''
Svartur galdur Óbó 3'36''
Gjallarhornin Óbó 3'52''
Stilla Óbó 4'02''
Fyrirboði Óbó 2'26''
Rétt eða rangt? Óbó 3'05''
Gullregn Óbó 5'01''

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