Ofrin

Ore

Albumlabel ALB009 CD
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Mangel macht kreativ, heißt es. Für gewöhnlich erleben wir Mangel wohl eher als frustrierend. Ist halt doof, wenn wir etwas nicht haben, das wir gerne hätten, womöglich sogar brauchen. Kreativitätstheoretiker würden nun wahrscheinlich die Frustration als Motor für schöpferische Tätigkeit identifizieren und damit dem Satz, dass Mangel kreativ macht, zustimmen. Bei OFRIN jedenfalls ist das genau andersrum. Was die gebürtige Israelin und Wahlberlinerin betreibt, ist die Erzeugung von Mangel. Ihre Kreativität stellt sie in den Dienst der hohen Kunst des Weglassens. Einer Kunst, die sie meisterlich beherrscht. Auf ihrem neuen Album ORE ist entscheidend, welche musikalischen Elemente eben nicht zum Einsatz kommen. Und irgendwas fehlt immer. Mangel erzeugt bei OFRIN nichts als Spannung und Drive. Das Spiel mit Hörerwartungen, über die Jahre so oft beschworen, dass es inzwischen zu einem hohlen Topos erstarrt ist, wird von ihr wieder seiner wahren Bedeutung zugeführt.

Dass etwas fehlt, bemerken wir erst, wenn wir zuvor etwas Bekanntes entdeckt haben. Hinlänglich bekannte Merkmale diverser Pop-Genres setzt OFRIN ein, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Stück BEST REQUEST etwa kann man als neue Art von EBM bezeichnen. Als so etwas wie körperlose Electronic Body Music, so widersprüchlich das auch sein mag. Orchesterhits, Filterverläufe, Sägezahnbässe erzeugen unverkennbar jenen 80er Jahre Sound, der es jedem aufrechten Alt-Waver warm ums Herz werden lässt. Entscheidend aber ist, was OFRIN hier nicht einsetzt, nämlich Beats. Dass Bassdrum und Snare in Best Request nicht vorkommen, lässt das Stück auf eine vertraute Art entrückt erscheinen. Es sind solche scheinbaren Widersprüche, die sich als roter Faden durch das gesamte Album ziehen.

DIRECTION ECLIPSE ist eine dunkle Ballade, die die besten Momente von Triphop in sich konzentriert. Und wieder ein Gegensatz: OFRIN gelingt orchestrale Größe ohne Pathos. Ihre klare, aber nie vorhersehbare Melodieführung verzichtet auf jegliche orchestrale Unterfütterung. Sie bleibt bescheiden, beinahe privat. Viele andere würden ein Stück wie dieses von Streichern triefen lassen. OFRIN hingegen entscheidet sich für ein ätherisch-dunkles Wiegenlied.
Schließlich kommt es doch noch, das "richtige" EBM-Stück, mit patschender Snare und metallenem Synth-Bass. SISYPHUS ist mitreißend, auf Hit angelegt, trotz der merkwürdig triolischen Rhythmik. Wirklich toll aber ist, wie OFRIN Erwartungen aufbaut, bis zum erlösenden Refrain steigert, schließlich aber nicht einlöst. Die Mitsing-Hookline bleibt aus, das Stück bleibt offen.
Die schöne Harmonik auf STOP DISTA führt in die Irre. Was als verträumtes a capella Stück beginnt, entwickelt sich zu einem tribalistischen Beschwörungs-Mantra. Selbst einen echten Raggamuffin (TUNNEL & SEA) kaufen wir OFRIN ohne zu Zögern ab. In diesem Stück wird mit kaum etwas Trance erzeugt. Gesang, ein pulsierender Synthie, ein überschaubarer Groove unter Verwendung von Blech und Rauschen, fertig. OFRINs Arrangements bleiben stets übersichtlich, alles ist hier sinnvoll und nachvollziehbar. Und trotzdem verblüfft sie uns immer wieder.

Die gesanglichen Fähigkeiten von Ofri Brin aka OFRIN stehen außer Frage. Natürlich beherrscht sie all die Ausdrucksmittel - Timbre, Schnörkel und Koloraturen - mit denen zu viele Sänger-Egos nur so um sich werfen. Aber OFRIN bleibt konzentriert und beherrscht. Auf übermäßigen Einsatz expressiver Belcanto-Techniken verzichtet sie zugunsten einer ungewöhnlichen Melodieführung. Ihre Stimme klingt kühl und ruhig. Ihr Gesang ist souverän, pointiert und frei von Eitelkeit.

OFRIN ist nicht nur Musikerin, sondern auch Videokünstlerin. Zu ihrem Album ORE hat sie eine mehrteilige Videoarbeit erstellt. Ein Ansatz, den sie mit ihrem letzten Video-Musik-Projekt THE BRINGER entwickelt hatte. ORE erzählt eine archetypische Geschichte über zwei gegensätzliche Kräfte innerhalb eines Universums. Dabei stützt sich die Narration auf astrophysikalische Phänomene und verbindet so reales Universum mit erfundenem Universum.
Für die hervorragende Produktion ihres neuen Albums zeichnet Labelkollege T.RAUMSCHMIERE verantwortlich. ORE ist OFRINs viertes Studioalbum.

Ofrin: Ore

Best Request Ofrin 4'51''
Direction Eclipse Ofrin 4'00''
Sisyphus Ofrin 3'21''
Black Box Ofrin 4'53''
Tunnel & Sea Ofrin 3'15''
Fallout Ofrin 3'20''
Coming Over Ofrin 2'49''
Everlasting Sun Ofrin 4'14''
Snake It Ofrin 4'29''
Stop Dista Ofrin 2'36''
I'm Gone Ofrin 3'19''

Auch schön: