Sin Fang

Half Dreams

Morr Music morr 118
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Sindri Már Sigfússon, besser bekannt als Sin Fang – zudem als Zeitgenosse mit sonnigem Gemüt, womöglich aufgrund der mit Skateboards, Pizzakartons und sogar der deutschen „Bravo“ verbrachten Jugend –, hat sein letztes Album „Summer Echoes“ genannt, und wenngleich ein paar recht kühle Monate seither vergangen sind, knüpft er nun, ziemlich genau ein Jahr später, mit der neuen EP „Half Dreams“ indirekt an diesen Titel an: Echos sind es dieses Mal nicht, sondern Verheißungen, Ankündigungen, erste Vorboten eines Sommers, der uns noch bevorsteht.
Das erkennt man schon nach wenigen Takten von „Half Dreams“: die Gitarre, die Stimme(n), alles geht nach vorne, überschlägt sich, purzelt umher, wie ein befreiter Sprint in die erwachende Natur nach monatelangem Winterschlaf. Wie im Traum klingt das, wobei der Gründer und Kopf von Seabear selten so ausgelassen und, nun ja, wach und lebendig klang wie hier.
Überschwänglichkeit ist jedoch nur die eine Seite von „Half Dreams“: „I won’t be afraid anymore“, singt er auf dem dramatisch-majestätischen „Walk With You“, dem zweiten von insgesamt fünf Songs dieser EP. Eindringlich klingt das, wenn er diverse Klangwelten umschifft, fast schon R&B isländisch-kühlerer Machart präsentiert, die Beats gedrosselt, dazu das Glockenspiel, die Vokalschichtungen, im Unterton wie die letzten bitteren Ausläufer nach bitterer Kälte, wie ein Vorsatz, der dran erinnert: lasst uns nicht vergessen, wie unschön das doch war, wie einengend, aber es wird besser, kann so nicht weitergehen.
Und das tut es denn auch nicht: Die Gitarre, die Sindri erst recht spät für sich entdeckt hat – er war kein Teenager mehr –, steht im Mittelpunkt des obskur fiependen „Shine For Me“. Die angeschlagenen Saiten ziehen sich über schemenhafte Gesänge, Lagerfeuermusik also, doch dann tritt er die Tür auf, macht viel Platz für weite Landschaften und für jenes Element, das er so sehr liebt: die menschliche Stimme. Hier wird er wieder einmal besonders deutlich, dieser unverwechselbare Ansatz, jener (Indie-)Popbegriff, den Sigfússon auf den letzten vier Alben (2x solo & 2x mit Seabear) nach und nach entwickelt hat. Er schimmert durch, wie ein frisch gestochenes Tattoo, samt Blut und allem, und dieser Sound wird sich als mindestens so haltbar wie die Tinte entpuppen.
Sin Fang (inzwischen ohne Bous, wem es noch nicht aufgefallen ist), der sein visuelles Können kürzlich erst in einem limitierten Buch gemeinsam mit Örvar von Múm präsentiert hat, lässt seine neue EP mit ein paar eingängigen „Sha-la-la-la“-Mitsingzeilen („Strange House“) enden – für Stunden, die man am idealen, imaginären Strand verbringt, im Jahr 1962 vielleicht, oder 1969 –, um ganz zum Schluss noch „It’s Not There“ vom Stapel zu lassen: Seine Version von Off-Beat-Rhythmen, die zum Tanzen gemacht sind, zum Mitsingen, zum Feiern, weil man zwar nie so genau weiß warum, aber doch weitermacht, sich noch stärker fühlt als zuvor.
Wenige Wochen bevor „Half Dreams“ komplett im Kasten war, gab es eine kleinere Überschwemmung im Studio, wo Sin Fang mit dem Abmischen beschäftigt war. (Keine Sorge: Sämtliche Katzen sind unversehrt geblieben, mussten nicht mal nasse Pfoten riskieren.) Das überraschend kalte Wasser muss offenbar den letzten Rest an Zweifel und Unsicherheit weggewaschen und eine Sache ans Tageslicht gebracht haben, die Sin Fang insgeheim schon immer klar war: dass keine Kriegsbemalung der Welt so gut funktioniert wie ehrliches Songwriting.

Sin Fang: Half Dreams

Only Eyes Sin Fang 2'33''
Walk With You Sin Fang 4'01''
Shine For Me Sin Fang 4'17''
Strange House Sin Fang 3'18''
It's Not There Sin Fang 4'39''
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