Sóley

Ask the Deep

Morr Music morr 138-cd
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Über die Stille, die zurückkehrt, sobald ihre letztes Jahr veröffentlichte "Krómantík"-EP ausklingt, hat Sóley seinerzeit gesagt: "... langsam erkennen die geschlossenen Augen etwas sehr viel Abgründigeres und Dunkleres". Jetzt ist er da, dieser Abgrund, er liegt direkt vor uns: "Ask The Deep", das zweite Soloalbum der Isländerin, ist in der Tat sehr viel abgründiger, sehr viel persönlicher noch als die minimalistisch-düsteren Klavierkompositionen jener EP. Begleitet von Geisterschiffen und einer klanglichen Landkarte, die ohne die einstigen Klavierkoordinaten auskommt, bahnt ihre weiche, warme Stimme den Weg, während wir immer tiefer in die geheimnisvollen Märchenwelten eintauchen, die sie mit ihren bisherigen Releases, der "Theater Island"-EP und dem "We Sink"-Debüt (2011), nur angedeutet hat. Indem sie mit jedem Stück auf neue Weise versucht, den "inneren Teufel" zu überwinden, öffnet die Multiinstrumentalistin schließlich sogar die Büchse der Pandora – und verschließt sie wieder vor unseren Augen. Der Teufel ist gebannt. Zumindest für den Moment.

"Have I danced with the devil?", singt Sóley Stefánsdóttir auf dem Eröffnungsstück "Devil", um dann mit noch mehr Nachdruck zu fragen: "Does he still love me?" Es ist dieser "innere Teufel", verantwortlich für all die düsteren, feuchten Ecken, in denen das Moos wuchert, der sie im Verlauf von "Ask The Deep" immer wieder betören will. Er umgarnt sie, tanzt sogar, denn er ist keinesfalls allein: Wenn auf "Devil" ganz andere Märchen-Klangwelten folgen – wobei das Klavier tatsächlich nicht mehr das Kernelement von Sóleys Sound ist –, treten mehr und mehr Geister auf den Plan. Inspiriert von einem Zeitungsbericht über einen Mann, der in Brasilien lebendig begraben wurde, verschraubt "Ævintýr" Tribal-Beats mit ätherischen Luftschlangen-Melodien, und "One Eyed Lady" dürfte wohl das minimalistischste Schlaflied sein, das Sóley jemals aufgenommen hat: Ganz ohne Beat kommt dieser Bericht über die einäugige Hexe aus, die tatsächlich für die Liebe töten würde, wie uns das Mantra des Songs unweigerlich klarmacht. Zurück im Märchenland von "Halloween" kämpft eine Gruppe von Mädels, verkleidet als Albträume und unterwegs auf einem Geisterschiff, gegen die Jungs, die Träumer, während die geschichteten Beats das Szenario fast ausweglos erscheinen lassen: "Tell me how can I wake up again."

Die Schwerkraft zieht die Loops von "Follow Me Down" in die gewünschte Richtung, während Sóley sich vor Philip Glass verneigt und dazu aufruft, ihr in den Abgrund zu folgen, an jenen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Zugleich stellt der Track eines klar: Wir sinken noch immer. Im Treibgut jedoch, das an der Oberfläche auftaucht, findet sich vieles, das man so noch gar nicht von ihr kannte – knallharte Drums, gepaart mit einem Vibe à la Beach House ("Dreamers"), einen Kirchen-Showdown mit dem Teufel ("I Will Never"), ja ein Hauch von hoffnungsvollem Pop sogar ("Breath") –, bis der innere Teufel schließlich noch ein weiteres Mal auftritt: Basierend auf einer Passage aus "Devil", verhandelt der letzte Song "Lost Ship" noch einmal den zentralen Konflikt: "Ich will damit sagen, dass ich stärker bin als dieser innere Teufel, obwohl diese Seite manchmal alles zu dominieren droht." Ihre abschließenden Worte auf dem Album: "… and do not forget/I never loved you."

Einzigartig an Sóleys Musik ist, dass Metaphern bei ihr nie bloß Metaphern sind: Als sie z.B. die Zeile "I run away from you" auf ihrem Debütalbum sang, sah man sie förmlich rennen, und diese Fähigkeit, ein Bild, ein surreales, traumähnliches Szenario mit ihren Songs zu zeichnen, ist immer noch ihr Markenzeichen – nur sind ihre Szenarien dieses Mal mit sehr viel mehr Schatten und Geistern durchzogen. Zugleich ist ihr zweites Album sehr viel komplexer und vielschichtiger, was die Kompositionen, Arrangements und Texte angeht. Schon deshalb ist ihre Stimme dieses Mal ein noch wichtigerer Anker, um uns sicher ans andere Ufer zu führen, an einen Ort, an dem man weiterexistieren kann.

"You must face your fairytale", singt Sóley an anderer Stelle von "Ask The Deep". Sie selbst rennt keinesfalls weg. Stellt sich ihm wieder und wieder. Und selbst ein Willy Wonka müsste ihr in diesem Fall zustimmen: Sóley is the music maker – but we are the dreamers of the dreams.

Sóley: Ask the Deep

Devil Sóley 4'17''
Ævintýr Sóley 3'18''
One Eyed Lady Sóley 3'57''
Óhljóð Sóley 37''
Halloween Sóley 4'18''
Follow Me Down Sóley 3'42''
Breath Sóley 3'15''
I Will Never Sóley 4'07''
Dreamers Sóley 4'21''
Lost Ship Sóley 4'26''

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