Styrofoam

I'm What's There To Show That Something's Missing

Morr Music morr 036 cd
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Abgesehen von seinen exzellenten Beiträgen für unsere letzte Compilation (mm 030) sowie die 7inch „To Simply Lie Here And Breathe/Oh, But You Are Totally“ (a.n.o.s.t. 005) ist es eine ganze Weile her, dass wir zuletzt von styrofoam auf Morr Music gehört haben. Aber Arne van Petegem war in der Zwischenzeit alles andere als faul. Gemeinsam mit Dntel veröffentlichte er letzten November eine Split-Picture-7inch auf dem Rocketracer-Label aus San Diego, wo ebenfalls eine 4-Track-CD-EP von ihm erschien. Zusätzlich fertigte er zwei Remixe für die „Updates EP“ von The American Analog Set auf Tigerstyle Records an. Darüberhinaus tourte styrofoam als Support von The Notwist im Frühjahr 2002 durch Italien und Frankreich und komplettierte gemeinsam mit seinen Labelmates Opiate und Lali Puna im Herbst letzten Jahres eine Tournee Nordamerikas. Dort präsentierte er auch erstmalig live das Material, was nun als die „i'm what's there to show that something's missing“ LP veröffentlicht wird.
Seine Live-Auftritt auf dieser Tour verschafften Arne eine ziemlich wichtige Erfahrung. „Es gab mir das Selbstvertrauen, die Art von Vocals umzusetzen, die ich für das Album haben wollte. Am Anfang spielte ich meinen Gesang noch komplett aus dem Powerbook und verfremdete ihn, doch Opiate und Lali Puna drängten mich geradezu, live zu singen. Eines Tages kam ich für den Soundcheck in einen Club und sie hatten schon ein Mikro für mich aufgebaut. Da hatte ich einfach keine andere Wahl. Wenn ich also die Vocals live bringen konnte und damit glücklich war, so konnte ich sie sicher auch auf dem Album bringen.“ Im Vergleich zu styrofoams früheren, eher seltenen Gesangsausflügen scheint er heute sehr viel zufriedener mit seinen Fähigkeiten zu sein. Weder vergräbt er seine Stimme tief im Mix, noch verbirgt er sie hinter dicken Effektschichten. Im Gegenteil: Er stellt sie nach vorne, laut und deutlich, damit sie jeder hören kann.
Diese Vocals auf „i’m what’s there ...“ und die Art, wie van Petegem seine Stücke aufbaut werden in manchem Hörer Erinnerungen and die Indie-Szene der späten 80er/frühen 90er wach rufen. „Ich bin ein großer Fan dieser Szene. Für mich ist es aber sehr einfach und gleichzeitig auch schwierig, auf ganz bestimmte Referenzen in meiner Musik zu zeigen. Das liegt vielleicht daran, dass ich mir so viel unterschiedliches Zeug anhöre. Ich denke, es ist okay zu sagen, dass dies alles und mehr früher oder später seinen Weg in die Musik, die ich mache, findet.“ Konzentrierte sich styrofoam auf seinen letzten beiden Morr-Veröffentlichungen noch auf die Möglichkeiten elektronischer Musikproduktion (und den Versuch, mit dem Übermaß an Möglichkeiten fertig zu werden), kehrt er nun teilweise zu einer Herangehensweise zurück, die ihm aus seiner Jugend in diversen Gitarrenbands oder von seinem ersten Soloprojekt Tin Foil Star Ende der 90er noch gut bekannt ist. „Während des Produktionsprozesses gab es bei mir an einem Punkt die bewusste Entscheidung, eine Akustikgitarre und ein wirklich gutes Studiomikrofon zu kaufen. Ich kam halt an einen Punkt, wo ich das Gefühl hatte, etwas ‚aus dem Computer ausbrechen’ zu müssen. Wenn du die ganze Zeit davor sitzt, riskierst du, dich zu sehr auf Details zu konzentrieren und das ganze Bild aus den Augen zu verlieren. Die Gitarre zu benutzen ermöglichte mir, mich davon zu lösen und einen irgendwie ‚realen’ Raum innerhalb des virtuellen meines Computers zu betreten; z.B. der Klang und die Akustik des eigentlichen Raums, in dem ich aufnahm. Gleichzeitig ermöglichte der Computer aber, dass ich diese eher traditionelle Aufnahmetechnik allen Möglichkeiten digitaler Klangverarbeitung gegenüber stellen konnte.“
Was ihre Zugänglichkeit angeht, ein für Arne immer wichtiges Thema, hat seine Musik bedeutend zugelegt. „i’m what’s there ...“ kann sicher als styrofoams bisher poppigste Platte bezeichnet werden. Dabei würde van Petegem selbst aber nicht so weit gehen, sie als Pop-LP zu bezeichnen. „Ich denke, es gibt einen Unterschied zwischen der Zugänglichkeit von Klang und der von Struktur und Zusammenhang. Für mich ist es keine Herausforderung, eine ‚abstrakt’ klingende Platte zu machen. Eine viel größere Herausforderung ist es doch, abstrakte oder stark bearbeitete Sounds in einen viel zugänglicheren Kontext zu stellen. Ich denke, eine solche Gegenüberstellung kann zu sehr befremdlichen Effekten bei einem Track führen. Die einzige Möglichkeit, wie sowohl ein abstrakter Klang als auch ein Popsong voll zur Geltung kommen können, ist, sie in ein und demselben Zusammenhang gegenüberzustellen.“
Nun spricht vieles dafür, dass styrofoams neues Album die Gegenüberstellung dieser Aspekte elegant meistert und sie dazu noch perfekt ausbalanciert. Jeder mit einem Interesse an reich texturierten, elektronischen Klängen wird an dieser LP genauso viel Gefallen finden können wie diejenigen, die sich nach Melodien, griffigen Songs und Texten sehnen. „Als ich das ganze Album Anfang Januar gemischt und endlich auf einer CD hatte, ich es erstmalig von Anfang bis Ende hören konnte, war ich echt überrascht (und ziemlich aufgeregt), wegen des Inhalts meiner Texte, besonders weil in ihnen eine Geschichte zu stecken scheint, die ich so gar nicht beabsichtigt habe. Es scheint, als ob einige der Songs miteinander interagieren und so etwas Neues geschaffen haben, was jenseits meiner Kontrolle liegt. Wie auch immer, das Ding ist, dass ich es vorziehe, wenn sich die Leute ihre eigenen Geschichten aus meinen Texten ziehen. Ich möchte ihnen nichts im Sinne von `davon handelt es´ präsentieren, besonders dann nicht, wenn ich mir so vieles selber nicht erklären kann.“
Wenn also auch ein paar Dinge im Verborgenen bleiben (was unserer Ansicht nach überhaupt nichts Schlechtes ist), so ist eines doch sehr sicher: styrofoam hat einen Riesenschritt nach vorn gemacht und „i'm what's there to show that something's missing“ zeigt definitiv, was bisher gefehlt hat: diese großartige Platte!

Styrofoam: I'm What's There To Show That Something's Missing

The Long Wait Styrofoam 4'30''
A Heart Without A Mind Styrofoam 5'43''
You Pretend You Own This Place Styrofoam 6'43''
Forever,you Said Forever Styrofoam 5'08''
It Wouldn't Change A Thing Styrofoam 3'43''
I Have To Keep Reminding Myself To Be Pleased Styrofoam 6'03''
Blow It Away From Your Eyes Styrofoam 5'52''
If I Believed You/back Into Focus Styrofoam 6'22''
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