Incl. Instant Download
Preise inkl. 19 % USt, exkl. Versandkosten.
Sendungen außerhalb EU sind 15,96% günstiger.
Keine Bläser, nirgends. Keine Jazz-thetik in jenem Sinn, wie sie das Tied and Tickled Trio mindestens für den deutschen Gitarrenunderground überhaupt erst hörbar gemacht hat. Und für die Electronica der späten 90er und frühen 00er Jahre. Ich möchte hier nicht von Indietronic sprechen. Wenngleich das Indie in dieser Formulierung zweifellos noch immer auf das Tied & Tickled Trio passt. In Sachen Haltung und Habitus. In der Entgrenzung der Töne, dem Verzicht auf Erwartungshaltungen, auch sich selbst gegenüber.
"Aelita" beginnt jenseits aller Erwartungen. Ein Auftritt sollte es zunächst nur sein, beim Hausmusik Festival am 28. Oktober 2006 in München. Ein zu großen Teilen improvisiertes Set, das leitmotivisch in eine vergangene Zukunft aufbricht. Eine melancholische Reise zu verendeten Visionen, Futurismus, Science, Science Fiction. "Chlebnikov" heißt etwa eines der Stücke, benannt nach einem Dichter der russischen Avantgarde, der in den Krisen der 1920er Jahre schlichtweg verhungert ist. "A rocket debris clouds drift", heißt ein anderes. The Dark side of the moon.
Das Konzert hinterließ euphorische Spuren - beim Publikum und innerhalb der Band. Weshalb es nun dieses Album gibt, entstanden in gerade dreimal drei Tagen. Aufnehmen, arrangieren, abmischen. So roh und offen wie möglich und doch ganz konzentriert, minimal, melancholisch, treibend. Ein verschleppter, weitgereister Dub ist darunter, "tamaghis", Echokammermusik, das Weltall als Hallraum. Daneben drei Interpretationen des Titelstücks, melancholische Miniaturen sind es allesamt, Xylophon, Glockenspiel, Melotron traurige Töne. Man mag an eine Raumkapsel denken, die langsam den Kontakt zur Erde verliert. Oder umgekehrt an Menschen, die umso fester am Boden kleben. Die Ruhe nach dem Stürmen. Ein Nachruf auf eine Utopie. "You said tomorrow yesterday".
Das Tied and Tickled Trio sind auf "Aelita" Caspar Brandner, Andreas Gerth, Markus und Micha Acher sowie Carl Oesterhelt. Zu hören ist eine Band, die genau zuhört, was die Töne so treiben. Und die sich von sich selbst überraschen lässt. Das ist dann vielleicht die allerletzte Space-Metapher dieser Platte: das Tied and Tickled Trio und der Orbit seiner Möglichkeiten.

Tied & Tickled Trio: Aelita

Aelita 1 Tied & Tickled Trio 3'05''
You Said Tomorrow Yesterday Tied & Tickled Trio 8'22''
Tamaghis Tied & Tickled Trio 7'33''
Aelita 2 Tied & Tickled Trio 1'32''
A Rocket Debris Cloud Drifts Tied & Tickled Trio 7'48''
Chlebnikov Tied & Tickled Trio 4'15''
Other Voices Other Rooms Tied & Tickled Trio 8'19''
Aelita 3 Tied & Tickled Trio 3'04''