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Lange Zeit galt die Nacht für den Menschen als die Zeit der Geister und Gespenster. Man glaubte sogar, dass den dunklen Wesen der Gesellschaft zwischen Mitternacht und Dämmerung eine besondere Macht verliehen wird. Im Lateinischen nannte man die geheimnisumwitterte Zeitspanne „Intempesta“ – die Zeit ohne Zeit. Auch Detlef Weinrich alias Tolouse Low Trax scheint sich in den letzten zwei Jahren häufiger im irrationalen Universum der eingefrorenen Dauer aufgehalten zu haben. Das wird jeder schnell merken, der sich zu seinem ersten Soloalbum „Mask Talk“ treiben lässt. Jenes demonstriert musikalische Intensität, die von einem anderen Dancefloor
kündet. Mit kühler atmosphärischer New-Wave-Strenge und einer abgefedert Beatfrequenz zwischen 107 und 116 BPM wird hier eine maschinelle Funktionalität ausgerufen, die sich keiner zeitgenössischen Doktrin
unterordnet. „Mask Talk“ ist das Clubalbum auf das alle gewartet haben, ohne das es jemals einem in den Sinn kam. Großstadtmusik, die keine Großstadt braucht. Big City Lights in Afrika. Kühle Neon-Sounds Made in Düsseldorf.
Als Mitglied des Trios Kreidler war Weinrich erst kürzlich maßgeblich für die neu gewonnene kosmische Schwingung der Band und deren Album „Mosaik 2014“ mitverantwortlich. Nun zeigt er solo, das eine MPC und ein kleines Synthesizer-Ensemble ausreicht, um futuristische Dancemusic im Hier und Jetzt lebendig werden zu lassen. Eingespielt unter nervösen kreativen Umständen im heimischen Schlafzimmer, beschwören die zehn Stücke weites gehend instrumental eine gespenstische Stimmung herauf, die perfekt zu einem frühen John Carpenter Film passen würde. Das Volumen der Tracks wirkt oftmals so, als sei eine ganze Band in Weinrichs heimischen vier Wänden aktiv gewesen. Mit viel Delay auf den Bassfiguren, kompakten analogen Effekten, perkussiven Tupfern und einer rauen Schicht aus Layern hat der Düsseldorfer ganz ohne digitale Hilfestellung zitternde Drumcomputermusik gebastelt, deren Tanzbarkeit er schon lange vor ihrer Veröffentlichung
allwöchentlich getestet hat. Schließlich steht er als Mitbetreiber des Düsseldorfer Club/Bar-Etablissements Salon Des Amateurs öfters selbst an den Plattenspielern, spielt frisch produziertes und verteilt Rhythmen zwischen Krautrock, Cosmic, Electronic und Acid. Seine neuen Stücke atmen die hypnotische Kraft seiner DJ-Sets und erinnern an analog-elektronische Pioniere wie Cluster oder Peter Baumann. Auch Avantgardisten aus den frühen 1980ern, wie Cabaret Voltaire oder Zazou Bikaye haben ihre Spuren hinterlassen, ohne das sich Tolouse Low Trax explizit auf sie bezieht. Alle Tracks sind zudem stets dem Experiment verpflichtet, geben den einzelnen
Sounds viel Raum und verzichten trotzdem nicht auf rhythmische Eindeutigkeit. Ein dunkles, urbanes Schattengewächs voller Hall, das nie verspielt mit Melodien umgeht und das dank seiner minimalen Lässigkeit
sicherlich nicht nur dunklen Wesen durch die Nacht hilft. „Form ist die an die Oberfläche gebrachte Essenz“ schrieb der französische Schriftsteller Victor Hugo einmal vor knapp 150 Jahren. „Mask Talk“ unterstreicht diese
These als Destillat eines Arbeitsprozesses, der eingeschliffene Hörklischees verwirft und die Konturen des Hörbaren neu schärft. Elektronische Musik jenseits aller Formate, deren Klänge und Rhythmik sich zu einer emotionalen Atmosphäre verdichten, die weit über das unmittelbar hörbare hinausgeht.

Tolouse Low Trax: Mask Talk

Subghosts Tolouse Low Trax 7'08''
Mask Talk Tolouse Low Trax 4'52''
Vai Vai Tolouse Low Trax 9'00''
Kingdom Tolouse Low Trax 5'51''
Prox Tolouse Low Trax 4'40''
Qual Und Glueck Tolouse Low Trax 8'18''
Reptil Farce Tolouse Low Trax 5'17''
Peculiar Fields Tolouse Low Trax 5'55''
Septemba Tolouse Low Trax 7'45''
Nacht Armee Tolouse Low Trax 6'12''